J.L. Moreno

(18. Mai 1889 – 14. Mai 1974) Der Begründer des Psychodramas, der Soziometrie und Mitbegründer der Gruppenpsychotherapie wurde als ältestes Kind des jüdischen Ehepaares Moreno Levi, 32 Jahre alt, und dessen 18-jähriger Ehefrau PaulinaBild: J.L. Moreno in Bukarest unter dem Namen Jakob Moreno Levi(y) geboren. Zwei Brüder und drei Schwestern wurden ihm nachgeboren. Morenos Kindheit stand neben dem christlichen Einfluss seiner jungen Mutter auch im Einfluss der sephardischen Bibelschule. Mit etwa zehn Jahren übersiedelt er nach Wien, beendet hier die Schule, studiert Medizin, belegt psychiatrische Vorlesungen beim Privatdozenten O. Pötzl, der zum Stab des Klinikchefs Univ. Prof. Wagner von Jauregg gehört. Noch als Hauslehrer und Student macht Moreno seine „ersten praktischen Anfänge“, wie er selbst es nennt, er spielt in Wiener Gärten, besonders im Augarten, mit Kindern Stegreifspiele und Märchen. Er ermutigt sie nicht nur, neue Rollen auszuprobieren, sondern alle Dinge ihrer Umgebung im Spiel zu erfahren.


1913/1914 arbeitet Moreno zusammen mit dem Wiener Arzt W. Gruen und dem Zeitungsherausgeber A. Colbert mit einer Gruppe von Prostituierten am Spittelberg im 7. Wiener Gemeindebezirk. Er gelang ihm nicht nur deren soziale Situation zu verbessern (Kasse für Notfälle u.a.), sondern durch sich entwickelnde Gruppenprozesse wurde auch gegenseitige Hilfe möglich (Schöbel, 1983, S. 15). Moreno beurteilt gesellschaftliche Probleme nicht nur aus psychologischer Sicht.

Dies wird auch deutlich in seiner Tätigkeit als Lagerarzt im Flüchtlingslager Mitterndorf bei Wien während der Kriegsjahre 1916 – 1918. Er hatte die hygienische Situation zu kontrollieren, aber vielmehr interessierte ihn die psychologische Seite der betroffenen Menschen. Er beabsichtigte die Zimmerordnung nach psychosozialen Gesichtspunkten umzugruppieren, stieß jedoch beim Österreichischen Bundesministerium für Inneres auf kein Echo. Aus diesen Erfahrungen der ursprünglich medizinischen Lagerbetreuung wird er später die Soziometrie entwickeln: „Sozius und Meter“, das Maß des Menschen in seinem sozialen Beziehungsgefüge.


Bild: J.L. Moreno, doppeltNach dem Krieg arbeitet Moreno als Gemeinde- und Betriebsarzt in Bad Vöslau, wird Herausgeber der spät-expressionistischen Zeitschrift „Daimon“ („Neue Daimon“, „Gefährten“ sind spätere Namen).

Auch seine therapeutische Lebensphilosophie, durch Handeln und nicht nur durch Reden zu wirken, (vgl. „Rede über die Begegnung“, 1924, „Rede vor dem Richter“, 1925) verdeutlichen eine expressionistische Lebenshaltung. Auch sein therapeutisches Instrument, das Psychodrama – statt nur zu erzählen „in Szene setzen“, ist Ausdruck dieser Lebensüberzeugung. In der „Rede über den Augenblick“ (1922) drückt er deutlich aus, was später in Therapieschulen als „Hier“ und „Jetzt“ bezeichnet wird (Philosophy of the „Here and Now“, Moreno, 1955, S. 14, zit. Schöbel, 1983, S. 20).

In Wiener Kaffeehäusern lädt er ein, Berichte aus Zeitungen zu spielen („Die lebendige Zeitung“). 1923 mietet er für diese Stegreifspiele im 1. Wiener Gemeindebezirk in der Maysedergasse 2, hinter der Oper, im obersten Stockwerk, von der Vereinigung bildender Künstlerinnen einen Raum an. Er erlebt, dass das abendliche Spiel eine positive Auswirkung auf das Zusammenleben eines jungen Paares hat.

Die Anfänge des Psychodramas – „Heilen durch Spielen“ – sind in diesem therapeutischen Stegreiftheater unschwer erkennbar. Es war der richtige „Augenblick“ für die richtige „Lage“, - zwei wichtige Begriffe in Morenos therapeutischer Philosophie.1925 wandert Moreno in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. 1934 wird sein grundlegendes Werk „Who shall survive“ veröffentlicht. Parallel zu seinen Vorstellungen eines Universums, die seiner Entwicklungspsychologie zugrunde liegen, entwickelt er die Idee des schöpferischen Menschen, der spontan seine Lage beeinflussen kann, zu einer Theorie der Spontanität und Kreativität weiter aus.

1936 eröffnet er ein Sanatorium in Beacon bei New York, es wurde mit dem Psychodrama Institute und dem Sociometrie Institute (1942) ein Zentrum, von dem seine Ideen in die ganze Welt gehen. Moreno wird ein Mitbegründer der Gruppentherapie in Amerika. Die Wortschöpfung geht auf ihn selbst zurück (mündl. Mitteilung von G. Leutz). In den USA entwickelt er den Bild: J.L. MorenoGedanken einer soziometrisch geordneten Gesellschaft weiter, womit er Eingang in die psychologische Arbeit von Institutionen wie Gefängnissen, Heimen, Schulen, Militär etc. findet.

Morenos Ideen verändern die Techniken der Psychotherapie und setzen sich weltweit durch. Moreno besucht Anfang der fünfziger Jahre wieder Wien. R. Schindler schildert in einem berührenden Bericht eine Psychodramaarbeit Morenos auf der Wiener psychiatrischen Klinik unter Prof. Hoff: „J. L. Moreno durchbricht einen depressiven Stupor“, in: Monodrama 1996, S. 7ff. 1959 erhält Moreno von der medizinischen Fakultät den Ehrendoktor. 1969 wird ihm das Goldene Doktorat der Universität Wien verliehen. 1993 kehrt Moreno endgültig nach Wien zurück: Seine sterblichen Überreste werden fast zwanzig Jahre nach seinem Tod in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.

Wer das Grab besuchen möchte findet hier in der Liste die Daten, die Position von J.L. Morenos Grab ist im Eintrag als Nr.42 beschrieben.

Auszüge des literarischen Werks

  • zum vollständigen Werkeverzeichnis J.L. Moreno 1908-1978
  • "Einladung zu einer Begegnung", 2 Hefte (1914)
  • "redigierte er die Zeitschrift "Daimon" (1918)
  • "Die Gottheit als Autor" (1922)
  • "Die Gottheit als Komödiant" (1922)
  • "Das Stegreiftheater" (1923)

psychodramatisch/soziometrische FachbücherBild: J.L.Moreno

  • "Who shall survive?" (1934) (dt.: Die Grundlagen der Soziometrie - Wege zur Neuordnung der Gesellschaft" (1953, 4. Aufl. 1996)
  • "Gruppenpsychotherapie und Psychodrama", 1959
  • "Role", in Moreno: The Sociometry Reader, 1960
  • "Psychodrama", 1964
  • "Psychodrama und Soziometrie" (1989)
  • "Gruppenpsychotherapie und Psychodrama" (1959)
  • Moreno, J. L. (Hrsg.) (1995), Jacob L. Moreno, Auszüge aus seiner Autobiographie. Köln (inscenario)
  • Moreno, J. L. (1988) Gruppenpsychotherapie und Psychodrama. Einleitung in die Theorie und Praxis. Stuttgart (Thieme)
  • Moreno, J. L. (1989) Psychodrama und Soziometrie. Essentielle Schriften. Köln (Ed. Hum. Psychologie)
  • Moreno, J. L., Petzold, H. (Hrsg.) (1981) Soziometrie als experimentelle Methode.Paderborn (Junfermann)
  • Moreno, J. L. (1999) Morenos therapeutische Philosophie. Zu den Grundideen von Psychodrama und Soziometrie. Leverkusen (Leske u. Budrich)

 

 

webtipp

Zu J.L. Moreno finden Sie hier ein umfangreiches Verzeichnis seiner Publikationen.

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