Soziometrie

Soziometrie ist in!

Kaum ein Fernsehsender, der zur Zeit ohne soziometrische Formate auskommt: Dancing Stars und Starmania, Votings und Rankings wohin man schaut - die besten Universitäten, die besten Spitäler, die besten Wertpapierhändler. Auch im Sport: Auswahlen, Aufstellungen und Umstellungen.soziometrie auch beim fussball

Das Wort Soziometrie setzt sich aus dem lateinischen Vokabel socius für Mitmensch und dem griechischen Vokabel metrum für Maß zusammen und hat eine sprachliche Verwandtschaft mit anderen wissenschaftlichen Messverfahren wie der Audiometrie oder der Biometrie. Durch soziometrische Verfahren kann die Stellung einer Person in der Gemeinschaft, in der sie lebt und arbeitet, sichtbar und – wenn richtig vorbereitet – auch veränderbar gemacht werden. Die Soziometrie wurde von Jacob L. Moreno in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Österreich und den USA entwickelt.

Auch wenn in den eingangs genannten Fernsehformaten die medialen Inszenierungen und kommerziellen Interessen die Spontaneität der Begegnungen einschränken, bleiben die von Moreno freigelegten Kräfte und Gesetzmäßigkeiten immer sichtbar. Das gilt insbesondere für die Vorrangstellung der Wahl. Wählen bedeutet das Ausdrücken von Anziehung, Ablehnung oder Gleichgültigkeit. Wählen und von Mitgliedern der eigenen oder auch einer anderen sozialen Gruppierung gewählt werden, sind nicht nur menschliche Grundbedürfnisse. Wahlen sind, wird Moreno oft zitiert, „Tatsachen erster Ordnung“ und sie bedürfen – sofern sie spontan und echt sind – keiner besonderen Rechtfertigung. Ohne dieses Primat der Wahl wäre der Soziometrie ihre Triebfeder entzogen.
Obwohl Moreno (1995) sich mittels Soziometrie gelegentlich mit so unorthodoxen Dingen wie der Vorhersage von Boxkämpfen beschäftigte, galt sein vordergründiges Interesse nicht der Suche nach Stars und der Produktion von Bestenlisten. Vielmehr ließ er immer seine Sympathien für die Verlierer erkennen. Seine Zeit, meinte er selbst, sei voller ablehnender und abgelehnter Individuen und Gruppen gewesen. Ein Befund, der für die Gegenwart leicht zu replizieren ist. Maßlos wie Moreno manchmal war, forderte er, dass ein wirklich therapeutisches Verfahren „nichts weniger zum Objekt haben (darf) als die gesamte Menschheit“ (Moreno 1954, S 3).
Im folgenden Artikel geht es um die Geschichte der Soziometrie und es werden anhand eines kleinen Fallbeispiels soziometrische Grundhaltungen und Arbeitsweisen veranschaulicht.
Soziometrie

Langfassung

(a) Geschichte

Auf der Suche nach Zusammenhängen zwischen psychischem Wohlbefinden und sozialen Strukturen entdeckte Jacob L. Moreno, jene Kräfte und Gesetzmäßigkeiten, aus denen er die Soziometrie entwickelte.

Als Geburtsjahr der Soziometrie gilt das Jahr 1916. Moreno arbeitete während des Ersten Weltkrieges als Amtsarzt in einem Flüchtlingslager in Mittendorf südlich von Wien. Es lebten dort mehr als 10.000, vorwiegend alte Menschen, Frauen und Kinder aus einem Südtiroler Weinbaugebiet, die zu ihrem Schutz vor der italienischen Armee in Mittendorf stationiert waren. Oberflächlich betrachtet, schien das Lager gut organisiert. Es gab Gemeinschaftseinrichtungen und um Beschäftigungs-möglichkeiten zu schaffen, wurde eine Schuhfabrik für 2000 Arbeiter in das Lager verlegt. Aber gerade dieser gut gemeinte Schritt führte zu erheblichen Spannungen. Die Leute aus der Schuhfabrik hielten sich für etwas Besseres als die bäuerlichen Flüchtlinge. „Eine weitere soziale Schicht wurde über die ursprünglichen Flüchtlinge gesetzt“, beobachtete Moreno (1995, S 69).
soziogramm einer siedlungZunehmend interessierten ihn die wechselseitigen Gefühle und sozialen Spannungen zwischen Bauern und Arbeitern, Personal und Flüchtlingen, Männern und Frauen. Diese Spannungen diagnostizierte er als Hauptquelle der Störungen im Lagerleben. Er bedauerte, dass soziale und psychologische Aspekte bei der Planung des Lagers nie in Erwägung gezogen wurden. Moreno schrieb einen Brief an das österreichisch-ungarisch Innenministerium und schlug eine Neuordnung des Lager mit Hilfe soziometrischer Methoden vor. Sein Vorhaben wurde von der Erfahrung getragen, dass „die Familien dazu neigten sich gegenseitig zu helfen, wenn die Leute mit den denjenigen zusammenleben konnten, von denen sie sich auf positive Weise angezogen fühlten (Moreno 1995, S 71).
[Einfügen: Faksimile, Brief vom 06.02.1916]
Durch seine Bemühungen – er ließ Familien auf der Grundlage gegenseitiger Zuneigung umziehen – konnten tatsächlich einige der schlimmsten Probleme im Lager verbessert werden. Seine Arbeit wurde von offizieller Seite zwar erlaubt, aber vor Ort auch immer wieder behindert (Moreno 1995). Moreno wanderte 1925 in die USA aus und konnte seine soziometrischen Arbeiten umfassend erst in den 1930er Jahren fortsetzen. Obwohl Moreno, wie er selbst sagt, in Mittendorf eine sehr primitive Form der Soziometrie benutzte, beinhaltet seine dortige Arbeit schon alle wesentlichen soziometrischen Grundhaltungen.

(b) Soziometrische Grundhaltungen

Mit Hilfe der Soziometrie versuchte Moreno dem/der einzelnen die Gelegenheit zu geben, über seine/ihre Angelegenheiten selbst zu entscheiden. Moreno wies stets auf die Abweichungen zwischen der sichtbaren (offiziellen) Struktur einer Gemeinschaft und deren inneren (psychischen) Verfassung, wie sie durch spontane Wahlen zum Ausdruck käme, hin. „Die Mitglieder einer Gruppe würden sich oft anders gruppieren, wenn es in ihrer Macht stünde, schreibt Moreno (1997, S. 31). Ein revolutionärer Gedanke, wenn man einen Blick auf die politischen Wahlmöglichkeiten der Österreicherinnen und Österreicher zu Beginn des 20. Jahrhunderts wirft. Kaiser Franz Joseph unterzeichnete erst 1907 das „Gesetz über die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts“ in Österreich. Damit wurde ein Kuriensystem abgeschafft, das lediglich 6 % der Gesamtbevölkerung (50 Millionen Menschen) das Wahlrecht zuerkannte (Ackerl & Kleindel 1994). Frauen hatten allerdings erst ab 1921 ein Wahlrecht. Und so darf es nicht verwundern, dass Morenos Ideen und Haltungen zur Zeit des Ersten Weltkrieges auch auf Ablehnung und Widerstand gestoßen sind.
soziometrische wahl in einer tabelleSoziometrisches Denken und Handeln nähert sich den Phänomenen – im Gegensatz zu politischen und wirtschaftlichen Planungen – nicht von außen, sondern von innen: „(Sociometry) attacks the problem not from the outer structure of the group, the group surface, but from the inner structure. Sociometric explorations reveal the hidden structures that give a group his form: the alliances, the subgroups, the hidden beliefs, the ideological agreements, the ‚stars‘ of the show“, zitiert auch Wikipedia, the free encyclopedia, Moreno. Soziometrisches Arbeiten verlangt nicht nur, die Mitwirkenden ausreichend einzubeziehen, „der Sinn jeder soziometrischen Arbeit (ist) für Moreno erst durch die Möglichkeit praktischer Verwertbarkeit gegeben“ (Pruckner 2004, S 169). Voraussetzung hiefür ist, die Mitwirkenden in eine Lage zu versetzen, in der sie empfindsam (erwärmt) werden für die aktuellen Gegebenheiten und die Möglichkeiten eigener kreativer Lösungen. Diesen Zustand nennt Moreno Spontaneitätslage. „In this ‚spontaneity state‘ they are able to contribute revealing material concerning the web of social networks in which they move and the life-situations through which they pass“ (Moreno 1993, S 79).
[Einfügen: Kasten, Soziometrische Grundhaltungen]

  • Vorrangstellung der Wahl
  • Spontaneitätslage der Mitwirkenden
  • Praktische Verwertbarkeit

(c) Soziometrische Verfahren

Auf der Basis dieses Denkens und Handelns hat Moreno eine Reihe soziometrischer Verfahren entwickelt. Einen guten Überblick bietet Pruckner (2004). Sie stellt nicht nur die klassischen soziometrischen Methoden vor, sondern auch geht auch auf Weiterentwicklungen ein. In gebührender Klarheit weist sie zudem auf die Gefahren hin, die aus einer unsachgemäßen und unprofessionellen Anwendung entstehen können.

  • Der Spontaneitäts- und Rollenspieltest
  • Der soziometrische Test
  • Der soziometrische Perzeptionstest
  • Der soziodynamische Test und der soziometrische Zyklus
  • Aktionssoziometrische Verfahren und Darstellungsformen
  • Das soziale Netzwerkinventar (SNI)

Unter den soziometrischen Verfahren nimmt der soziometrische Test eine besondere Stellung ein. „Der soziometrische Test ist eine Methode der Erforschung sozialer Strukturen durch Messen der Anziehungen und Abstoßungen, die zwischen den Angehörigen einer Gruppe bestehen“ (Moreno 1954, S 34). Jeder Mensch ist Mittelpunkt zahlreicher Anziehungen, Ablehnungen und Gleichgültigkeiten. Dieses Zusammentreffen der Beziehungen in einem Kern, der jeden Menschen umgibt, nennt Moreno auch das soziale Atom eines Menschen. Durch Wahlen legt der soziometrische Test die Beziehungen der einzelnen Personen zueinander frei. Die Wahl ist in einem soziometrischen Test immer auf ein bestimmtes Kriterium des Zusammenlebens oder –arbeitens bezogen.

Ein einfaches Beispiel (angeregt durch Hoffmann, 2001).

Nehmen Sie an, Sie wollen in Übereinstimmung mit einem Arbeitsteam das Ausmaß des Vertrauens in der Gruppe näher erforschen. Sie fragen: „Wen aus der Gruppe wählen sie, um von allen eine Bestellung für Pausenbrötchen aufzunehmen, einkaufen zu gehen und mit den richtigen Brötchen und dem richtigen Wechselgeld zurückzukommen? Zeigen Sie ihre Wahl, indem sie ihre rechte Hand auf die Schulter derjenigen Person legen, die sie ausgewählt haben.“ Um das Beispiel einfach zu halten, darf jede Person nur eine andere Person wählen.
[Einfügen: Foto, Playmobilfiguren]
Sie könnten auch andere Fragen stellen: „Wer gibt ihnen aufrichtig Rückmeldung, ob sie ihre Arbeit gut erledigt haben?“ oder „Wer gibt ihnen zuverlässige Informationen über aktuelle Entwicklungen in der Firma?“ Sie werden den Modus der Stimmabgabe dem jeweiligen Kontext anpassen (zum Beispiel Stimmzettel verwenden) und Fragen manchmal umkehren: „Wen würden sie für eine bestimmte Aufgabe nicht wählen?“ Sie werden im Laufe des Zusammenseins mit der Gruppe Fragen auch wiederholen, um Veränderungen feststellen zu können. Aber Sie werden immer konkret fragen und angeben, wozu gerade jetzt dieses Kriterium nützlich ist, denn ohne augenscheinlichen Grund haben Menschen wenig Interesse, ihre Sympathien und Antipathien offen zu legen. Personen in Organisationen, die bereits eine Vielzahl von BeraterInnen und TrainerInnen sowie deren Methoden und Restrukturierungsmaßnahmen „überlebt“ haben, wurden neuerdings – wenig schmeichelhaft für die consultants – als „change survivors“ bezeichnet (Der Standard, 25./26.08.2007).

Die Ergebnisse eines soziometrischen Tests lassen sich einer soziometrischen Matrix darstellen.
[Einfügen: Soziometrische Matrix] Die soziometrische Matrix gibt bereits einen guten Einblick in das Innenleben der Gruppe. Sie können unmittelbar erkennen, wer wie viele Wahlen erhalten hat. In unserem Beispiel: B 3, D 2, A 1, C, E und F haben keine Wahlen erhalten. Sie können erkennen, ob sich Personen gegenseitig gewählt haben. In unserem Fall B und D, die somit insgesamt 83 % der Wahlen auf sich gezogen haben. Eine klare Präferenz. Soziometrische Ergebnisse sind jedoch nie bloße Tatsachenfeststellungen. SoziometrikerInnen werden ihrer Aufgabe nur gerecht, wenn sie das Ergebnis mit der Gruppe besprechen und bearbeiten. Nicht nur hinsichtlich der Gewählten, sondern auch hinsichtlich der nicht Gewählten. Was bedeutet das Ergebnis für die Personen? (Verantwortung, Überforderung für die Gewählten? Kränkung, Insuffizienzgefühle für die nicht Gewählten?). Sie werden fragen, wie die einzelnen als Frauen und Männer das Ergebnis empfinden. Vielleicht sind Sie auf dieser Homepage schon dem Begriff Sharing begegnet. Demnach würden ausgebildete SoziometrikerInnen die Personen fragen, ob sie ähnliche Wahlen und Rollenzuschreibungen auch aus anderen Lebenslagen kennen.

Die grafische Darstellung soziometrischer Ergebnisse nennt man Soziogramm. Ein Soziogramm drückt das „Hin und Her der Beziehungen zwischen den Individuen einer Gruppe“ aus (Moreno 1997, S 20). Moreno hat dafür eine eigene Zeichensprache entwickelt: Frauen werden durch Kreise, Männer durch Dreiecke dargestellt. Durchgehende Linien drücken positive Wahlen, strichlierte Linien Ablehnungen aus. Pfeile zeigen einseitige Wahlen an, gegenseitige Wahlen werden durch einen Querstrich in der Mitte markiert.
[Einfügen, Soziogramm Fallbeispiel]

Komplexe soziometrische Matrizen und Soziogramme können heutzutage EDV-unterstützt generiert werden. Da Moreno selbst gelegentlich Ausflüge in die Sportwelt unternahm, sei abschließend die netzwerkanalytische Auswertung eines Länderspiels der österreichischen Fußballnationalmannschaft (Österreich – Tschechien, Wien, 22.08.2007, 1:1) wiedergegeben. Zumal der Kritiker erstaunlich soziometrisch analysiert: „(Das Netzwerk) lässt darauf schließen, dass die unterschiedlichen Formationen ineinanderzugreifen beginnen. Selbst verunsicherte Spieler () wurden von Stabilität um sie herum angesteckt und ‚getragen‘ “ (Der Standard, 24.08.2007, S 14). [Einfügen: Netzwerkanalyse Österreich – Tschechien, Wien, 22.08.2007, 1:1]

(d) Weiterentwicklungen und Literaturhinweise

Aus Beobachtungen von Säuglings- und Kindergruppen und mit Hilfe zahlreicher soziometrischer Tests, die Moreno ab den 1930er Jahren in Schulklassen in den USA durchführte, leitete er ein zuverlässiges Stadienmodell der Gruppenentwicklung ab. Er abstrahierte seine Ergebnisse weiter und formulierte ein soziogenetisches und ein soziodynamisches Gesetz, beides Gesetzmäßigkeiten, die die Entwicklung von Gruppen und deren Mitgliedern beschreiben. Zur Einschätzung der sozialen Wahrnehmungsfähigkeit entwickelte Moreno den soziometrischen Perzeptionstest. Er misst, ob Menschen Sympathien und Antipathien, die ihnen andere entgegenbringen, richtig einschätzen können oder ob sie „Freunde für Feinde und Feinde für Freunde“ halten. Die „Kartographierung“ größerer Gemeinschaften führte Moreno (1954) zur sozialen Netzwerktheorie. Netzwerke ermöglichen Menschen, mit einem geringen Aufwand an Anstrengung große soziale Wirkung zu erzielen.
Es kommt häufig vor, dass Menschen in Bezug auf eine andere Person oder eine Sache gleichzeitig entgegengesetzte Gefühle empfinden (Anziehung und Ablehnung, Liebe und Hass). Zur Erforschung und Freilegung dieser verflochtenen (ambivalenten) Gefühlslagen entwickelten H. Sabelli und L. Sabelli-Carlson sowie A. Hale eigene soziometrische Verfahren (Pruckner 2004).
[Einfügen: Soziometrische Weiterentwicklungen (Auswahl)]

  • Ausbau der Theorie (Stadien der Gruppenentwicklung, Netzwerk- und Rollentheorie, Tele-Prozesse)
  • Perzeptuelle Soziometrie
  • Erfassen ambivalenter Gefühlslagen

Im Jahr 1934 publizierte Moreno seine soziometrischen Studien in einem Buch. Who Shall Survive? A New Approach to the Problem of Human Interrelations sollte zu seinem Hauptwerk werden. Der Buchtitel ist provokativ gemeint. Weder glaubte Moreno, die Erde sei überbevölkert, noch verfolgte er eugenische Ideen: „The answer to Who Shall Survive? is that everyone should survive. The supreme imperative of survival is of first importance“ (Moreno 1993, S 245). Die 1953 überarbeitete 2. Auflage wurde von G. Leutz ins Deutsche übersetzt und erschien 1954 unter dem Titel Die Grundlagen der Soziometrie. Wege zur Neuordung der Gesellschaft (2. Auflage 1967). Die deutschsprachigen Ausgaben sind antiquarisch erhältlich. 1993 gab die Amerikanische Gesellschaft für Gruppenpsychotherapie und Psychodrama (ASGPP) auf der Basis der 1953 erschienenen Ausgabe von Who Shall Survive erstmals eine Student Edition heraus. Das Buch ist über den österreichischen Buchhandel beziehbar, enthält jedoch leider das Kapitel über die Entwicklung der Gruppen nicht.
In seinem Spätwerk publizierte Moreno vermehrt über das psychotherapeutische Psychodrama. Er verknüpft die Welt der Soziometrie mit ihren Tests und Diagrammen mit der Theorie und Praxis des Psychodrama. Dies gilt beispielsweise für die Rückbindung der Wahlen auf die zugrunde liegenden Rollen oder den für das Psychodrama so zentralen Begriff Tele. Menschen entwickeln von Geburt an einen Sinn für zwischenmenschliche Beziehungen und dabei ist Tele „die Grundlage aller gesunden zwischenmenschlichen Beziehungen“ (Moreno 1997, S 29). Es ist faszinierend zu verfolgen, wie Moreno (1954, 1997) den Begriff vom Spekulativen befreit und ihn empirisch schlüssig begründet. Wissenschaftliche Analysen der Aussagen Morenos und Studien zur Persönlichkeitsentwicklung aus der Sicht des Psychodramas bieten Zeintlinger-Hochreiter (1996) bzw. Schacht (2003).
Trotz der vielfältigen Weiterentwicklungen und der umfangreichen Literatur, auf die AnwenderInnen mittlerweile zurückgreifen können, bleibt Morenos Befund, die Soziometrie könne „nicht auf dem Papier erfunden werden, sondern muss aus dem Leben selbst erwachsen und an ihm erprobt werden“ (Moreno 1954, S XXIII), stets gültig. Jacob L. Moreno ist 1974 im Alter von 85 Jahren in Beacon (New York) gestorben und erhielt 1993 ein Ehrengrab der Stadt Wien am Wiener Zentralfriedhof. Seine soziometrischen Grundhaltungen und Verfahren sind feste Lehrinhalte aller Aus- und Weiterbildungsgänge der Fachsektion Psychodrama, Soziometrie und Rollenspiel im Österreichischen Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik (ÖAGG).
[Einfügen (eventuell): aktuelle Aus- und Weiterbildungsgänge]

Literaturverzeichnis

Moreno, J.L. (1954, 2. Aufl. 1967). Die Grundlagen der Soziometrie. Wege zur Neuordnung der Gesellschaft. Köln und Opladen: Westdeutscher Verlag.
Moreno, J.L. (1993). Who Shall Survive? Foundations of Sociometry, Group Psychotherapy and Sociodrama. Student Edition. Roanoke, Virgina: Royal Publishing Company.
Pruckner, H. (2004). Soziometrie. Eine Zusammenschau von Grundlagen, Weiterentwicklungen und Methodik. In J. Fürst, K. Ottomeyer & H. Pruckner (Hrsg.), Psychodramatherapie. Ein Handbuch (S 161–192). Wien: Facultas.
http://www.sociometry.net. Homepage des International Sociometry Training Network. Gegründet von Anne E. Hale.

Ackerl, I. & Kleindel, W. (1994). Die Chronik Österreichs. Wien: Kremayr & Scheriau.
Hoffmann, C. (2001). Introduction to Sociometry. Verfügbar unter http://www.hoopandtree.org/sociometry.htm [01.06.2007].
Moreno, J.L. (1954, 2. Aufl. 1967). Die Grundlagen der Soziometrie. Wege zur Neuordnung der Gesellschaft. Köln und Opladen: Westdeutscher Verlag.
Moreno, J.L. (1993). Who Shall Survive? Foundations of Sociometry, Group Psychotherapy and Sociodrama. Student Edition. Roanoke, Virgina: Royal Publishing Company.
Moreno, J.L. (1995). Auszüge aus der Autobiographie. Herausgegeben von J.D. Moreno. Köln: inSzenario.
Moreno, J.L. (1997). Gruppenpsychotherapie und Psychodrama. Einleitung in die Theorie und Praxis. (5., unveränd. Aufl.). Stuttgart: Thieme.
Pruckner, H. (2004). Soziometrie. Eine Zusammenschau von Grundlagen, Weiterentwicklungen und Methodik. In J. Fürst, K. Ottomeyer & H. Pruckner (Hrsg.), Psychodramatherapie. Ein Handbuch (S 161–192). Wien: Facultas.
Schacht, M. (2003). Spontaneität und Begegnung. Zur Persönlichkeitsentwicklung aus der Sicht des Psychodramas. Köln: inSzenario.
Wikipedia, the free encyclopedia. Sociometry. Verfügbar unter http://en.wikipedia.org/wiki/Sociometry [01.06.07]
Zeintlinger-Hochreiter, K. (1996). Kompendium der Psychodrama-Therapie. Analyse, Präzisierung und Reformulierung der Aussagen zur psychodramatischen Therapie noch J.L. Moreno. Köln: inSzenario.

Verfasser: Mag. Thomas Sageder, Paltaufgasse 21/102, 1160 Wien, thomas.sageder@aon.at

 

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